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Veedel

Kölner Veedel: Was das Wort bedeutet und welche Viertel du kennen solltest

„Veedel“ ist das kölsche Wort für Viertel, und es meint selten die Grenzen auf dem Stadtplan. Hier erfährst du, wie Köln offiziell gegliedert ist und was Ehrenfeld, das Belgische Viertel, die Südstadt, Nippes und Deutz geprägt hat.

Der Helios-Leuchtturm überragt ein altes Backsteingebäude des Helios-Geländes in Köln-Ehrenfeld.
Foto: Superbass, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • Veedel ist das kölsche Wort für Viertel und bezeichnet meist die unmittelbare Nachbarschaft, nicht eine Verwaltungseinheit.
  • Offiziell hat Köln 86 Stadtteile, verteilt auf 9 Stadtbezirke; Belgisches Viertel, Südstadt, Severinsviertel, Agnesviertel und Eigelstein sind keine eigenen Stadtteile.
  • Ehrenfeld und Nippes sind ehemalige Industrievororte, die am 1. April 1888 nach Köln eingemeindet wurden.
  • Das Belgische Viertel entstand nach dem Fall der mittelalterlichen Stadtmauer ab 1881; seine Straßen tragen Namen belgischer Städte und Provinzen.
  • Deutz geht auf das römische Kastell Divitia zurück, das unter Kaiser Konstantin zusammen mit einer festen Rheinbrücke entstand.

Ein Veedel ist auf Kölsch einfach ein Viertel, gemeint ist aber meist die eigene Nachbarschaft und nicht eine Verwaltungseinheit. Offiziell ist Köln in 9 Stadtbezirke mit 86 Stadtteilen gegliedert. Die bekanntesten Veedel für einen Besuch sind Ehrenfeld, das Belgische Viertel, die Südstadt, Nippes und Deutz, dazu das Agnesviertel und der Eigelstein. Dieser Guide erklärt, wie die Viertel entstanden sind, wo sie liegen und wie du hinkommst.

Was „Veedel“ bedeutet

„Veedel“ ist das kölsche Wort für Viertel. Im Alltag bezeichnet es meist ein kleines Gebiet, oft die unmittelbare Umgebung der eigenen Wohnung – vergleichbar mit dem Kiez in Berlin oder dem Grätzl in Wien. Wer in Köln „mein Veedel“ sagt, meint selten einen ganzen Stadtteil, sondern eher ein paar Straßen rund um einen Platz, eine Kirche oder eine Einkaufsstraße. Mehr zu Wörtern wie diesem findest du im Guide zur kölschen Sprache und ihren typischen Begriffen.

Die Namen entstehen auf verschiedenen Wegen: nach der Lage (Südstadt), nach Kirchen oder Plätzen (Agnesviertel, Severinsviertel) oder nach Straßen (Belgisches Viertel). Ein Gebiet kann mehrere Namen tragen, die sich überlappen. Das Viertel um die Zülpicher Straße heißt je nach Sprecher Rathenauviertel, Zülpicher Viertel, Univiertel oder „Kwartier Latäng“. Auch im Karneval spielt der Begriff eine Rolle: Am Karnevalssonntag ziehen die Schull- un Veedelszöch durch die Stadt, in denen Schulen und Veedelsgruppen mitgehen.

Stadtbezirk, Stadtteil, Veedel: die offizielle Gliederung

Die Stadt Köln nennt die Zahlen knapp: 86 Stadtteile, verteilt auf 9 Stadtbezirke. Die Stadtbezirke sind nummeriert, und jeder Stadtteil hat eine dreistellige Kennziffer, die mit der Bezirksnummer beginnt. Ehrenfeld etwa ist Stadtteil 401 im Stadtbezirk 4.

Für dich als Besucher ist vor allem der Stadtbezirk Innenstadt wichtig. Er besteht laut Stadt aus fünf Stadtteilen: Altstadt-Nord, Altstadt-Süd, Neustadt-Nord, Neustadt-Süd und Deutz. Viele bekannte Veedel liegen innerhalb dieser fünf Stadtteile, ohne selbst einer zu sein:

  • Das Belgische Viertel und das Agnesviertel gehören zu Neustadt-Nord.
  • Die Südstadt liegt im südlichen Teil von Neustadt-Süd, wird aber oft weiter gefasst.
  • Severinsviertel, Rheinauhafen und der Süden der Altstadt gehören zu Altstadt-Süd.
  • Der Eigelstein liegt in Altstadt-Nord.

Ehrenfeld und Nippes sind dagegen tatsächlich Stadtteile, und zwar namensgebend für die gleichnamigen Stadtbezirke 4 und 5. Feste Veedelsgrenzen gibt es im Alltag kaum; am ehesten werden Grenzen bei Anwohnerparkzonen verbindlich.

Die Grundlage für die Lage der Innenstadt-Veedel ist die Stadtgeschichte: Die Altstadt entspricht dem Gebiet innerhalb der mittelalterlichen Mauer, die Neustadt entstand nach deren Abriss ab 1881 entlang der Ringe. Wer diese Abfolge genauer verstehen will, liest den Überblick zur Kölner Stadtgeschichte von der Colonia bis heute.

Welches Veedel passt?

VeedelBezirkPrägungGut zu erreichen über
EhrenfeldEhrenfeld (4)früherer Industrievorort, Heliosturm, Zentralmoschee, Street ArtVenloer Straße/Gürtel, Körnerstraße (3, 4); Bahnhof Köln-Ehrenfeld
Belgisches ViertelInnenstadt (Neustadt-Nord)Gründerzeit-Neustadt, belgische Straßennamen, Brüsseler PlatzFriesenplatz (3, 4, 5, 12, 15)
Südstadt mit Severinsviertel und RheinauhafenInnenstadt (Neustadt-Süd, Altstadt-Süd)Severinstorburg, Gründerzeitstraßen, Karneval, KranhäuserChlodwigplatz (15, 16, 17), Severinstraße (3, 4, 17)
NippesNippes (5)Industriegeschichte, Wilhelmplatz-Markt, Clouth-QuartierFlorastraße, Lohsestraße (12, 15); S-Bahnhof Köln-Nippes
DeutzInnenstadt (Deutz)römisches Kastell, Rheinboulevard, Messe, KölnTriangleDeutz/Messe (1, 9); Bahnhof Köln Messe/Deutz
AgnesviertelInnenstadt (Neustadt-Nord)Wohnviertel um St. Agnes, Neusser StraßeEbertplatz (12, 15, 16, 18), Reichenspergerplatz (16, 18)
EigelsteinInnenstadt (Altstadt-Nord)römische Straße, Torburg, WeidengasseEbertplatz (12, 15, 16, 18)

Die Linienangaben in diesem Guide stammen aus der Übersicht der Kölner U-Bahnhöfe auf Wikipedia, da die KVB-Website beim Abruf im Oktober 2026 nicht erreichbar war. Linienführungen ändern sich bei Baustellen regelmäßig; prüfe deine Verbindung vor der Fahrt in der aktuellen KVB-Fahrplanauskunft.

Ehrenfeld

Lage und Bezirk

Ehrenfeld ist Stadtteil 401 im Stadtbezirk Ehrenfeld im Westen Kölns. Im Osten grenzt es an Neustadt-Nord, im Norden an Neuehrenfeld, im Süden an Lindenthal und Braunsfeld. Der Stadtteil umfasst 3,7 km² und hatte Ende 2021 rund 37.800 Einwohner, was ihn zu einem der dicht besiedelten Viertel der Stadt macht. Der ganze Stadtbezirk zählt laut Stadt sechs Stadtteile auf knapp 24 km².

Geschichte: vom Feld vor dem Tor zur Industriestadt

Der Name verweist auf das Feld vor dem Ehrentor, einem der mittelalterlichen Stadttore Kölns. Bis ins 19. Jahrhundert war die Gegend kaum bebaut. Den entscheidenden Schub gab laut Stadt Köln die Eisenbahnlinie Köln–Aachen von 1844; 1845 entstand die erste Siedlung, zunächst mit schmalen „Dreifensterhäusern“. 1867 wurde Ehrenfeld eigene Gemeinde, 1879 erhielt es Stadtrechte, und am 1. April 1888 wurde es nach Köln eingemeindet.

Ehrenfeld war ein Industriestandort. Zu den Betrieben zählten eine Tapetenfabrik, eine Fabrik für Schiffsschrauben und die Elektrotechnikfirma Helios. Ihr bekanntestes Erbe ist der Heliosturm: ein 44 Meter hoher Leuchtturm mitten in der Stadt, gebaut als Versuchs- und Vorführanlage für Leuchtfeuertechnik. Als echte Navigationshilfe hat er nie gedient. Seit 1986 steht er unter Denkmalschutz; die Laterne wurde 1996 neu aufgebaut. Der Turm ist nicht öffentlich zugänglich, aber von der Straße aus gut zu sehen.

Ehrenfeld heute

Die Stadt beschreibt Ehrenfeld als früheren Arbeiterstadtteil mit lebendigen Wohnvierteln und Einkaufsstraßen wie der Venloer Straße, der wegen günstiger Mieten und frei gewordener Industrieflächen bei Studierenden und Kunstschaffenden beliebt wurde und eine große freie Kulturszene hat. KölnTourismus führt Ehrenfeld als Schwerpunkt für Street Art: Zwischen 2011 und 2019 fand hier das Festival CityLeaks statt, von dem zahlreiche großformatige Wandbilder internationaler Künstlerinnen und Künstler geblieben sind.

Was du dir ansehen kannst

  • Venloer Straße: die Hauptachse, früher Landstraße, heute Einkaufsstraße. Hier stand bis zur Zerstörung 1943 das Ehrenfelder Rathaus.
  • Zentralmoschee: An der Ecke Venloer Straße/Innere Kanalstraße steht die von Gottfried und Paul Böhm entworfene DITIB-Zentralmoschee mit zwei Minaretten, eröffnet am 29. September 2018. Die Stadt nennt sie ein neues architektonisches Wahrzeichen.
  • Körnerstraße: Hier stand die Synagoge Ehrenfeld, die beim Novemberpogrom 1938 zerstört wurde; daneben ein Hochbunker von 1942/43.
  • Neptunbad am Neptunplatz: 1912 eröffnet, 1994 geschlossen, seit 2002 wieder als Bad und Fitnessanlage in Betrieb. Am Neptunplatz findet freitags ein Wochenmarkt statt.
  • Heliosgelände rund um den Turm und der Alte Ehrenfelder Friedhof, der an den Melatenfriedhof grenzt.

Anfahrt

Die Linien 3 und 4 halten unterirdisch an Venloer Straße/Gürtel und Körnerstraße. Die Linie 13 fährt auf dem Gürtel oberirdisch zum Bahnhof Ehrenfeld. Am Bahnhof Köln-Ehrenfeld halten Regionalzüge und die S-Bahnen S 12 und S 19.

Belgisches Viertel

Lage und Bezirk

Das Belgische Viertel liegt im Süden des Stadtteils Neustadt-Nord, Stadtbezirk Innenstadt, nahe den Ringen. Begrenzt wird es von der Venloer Straße im Norden, der Aachener Straße im Süden, der Moltkestraße im Westen sowie Flandrischer und Limburger Straße im Osten. Den Nordostzipfel bildet der Friesenplatz, die Hauptachse ist die knapp einen Kilometer lange Brüsseler Straße.

Geschichte: die Neustadt nach dem Mauerfall

Bis in die Gründerzeit bestand das Gelände aus Gärten und Ackerland vor der mittelalterlichen Stadtmauer. Am 18. Juni 1881 wurde die Mauer am Gereonswall erstmals durchbrochen; im Oktober 1881 stellte Josef Stübben seine Pläne für die Stadterweiterung mit einem Ringboulevard anstelle der Mauer vor. Bald danach begann die Bebauung.

Den Namen verdankt das Viertel seinen Straßen: Sie wurden am 6. März 1884 festgelegt und tragen die Namen belgischer Städte und Provinzen – Antwerpen, Gent, Brüssel, Lüttich, Brabant, Limburg und Flandern. Maastrichter, Venloer und Utrechter Straße verweisen dagegen auf niederländische Städte. Viele Häuser stehen heute unter Denkmalschutz.

Das Belgische Viertel heute

Wikipedia beschreibt das Viertel als eine der beliebtesten und teuersten Wohnlagen Kölns, geprägt von Boutiquen, Galerien, Theatern, Goldschmieden und Gastronomie. KölnTourismus hebt Designläden und Cafés hervor. Mittelpunkt ist der Brüsseler Platz mit der Kirche St. Michael. Der Platz ist an warmen Abenden ein Treffpunkt, was seit Jahren zu Konflikten mit Anwohnern führt.

Die Kirche St. Michael mit zwei Türmen am Brüsseler Platz im Belgischen Viertel, davor kahle Platanen.
St. Michael am Brüsseler Platz, dem Mittelpunkt des Belgischen Viertels. Foto: Chris06, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons

Was du dir ansehen kannst

  • Brüsseler Platz mit St. Michael, deren Grundstück das Erzbistum 1889 erwarb.
  • Brüsseler Straße und die Querstraßen mit geschlossener Gründerzeitbebauung.
  • Die nahen Ringe, die auf Stübbens Stadterweiterung zurückgehen.

Anfahrt

Am Friesenplatz halten die Linien 3, 4, 5, 12 und 15. Am Rudolfplatz an der Aachener Straße halten unterirdisch die Linien 12 und 15, oberirdisch die Linien 1 und 7.

Südstadt mit Severinsviertel, Chlodwigplatz und Rheinauhafen

Lage und Bezirk

Die Südstadt ist kein offizieller Stadtteil. Im engeren Sinn meint sie den südlichen Teil von Neustadt-Süd zwischen Vorgebirgstraße, Sachsenring, Chlodwigplatz, Ubierring und Agrippinaufer. Im weiteren Sinn zählen das Severinsviertel, der Volksgarten und der Rheinauhafen dazu, die zu Altstadt-Süd gehören. Die Bonner Straße teilt das Gebiet in Nord-Süd-Richtung; westlich davon wird vor allem gewohnt, östlich gibt es mehr Gastronomie.

Severinsviertel und Severinstorburg

Das Severinsviertel, auf Kölsch „Vringsveedel“, liegt im Süden von Altstadt-Süd und ist nach der Kirche St. Severin benannt, die 1237 geweiht wurde. Seine Hauptachse ist die Severinstraße, die an der Severinstorburg am Chlodwigplatz beginnt. Die Torburg stammt laut Stadt Köln aus der Mitte des 13. Jahrhunderts, heißt im Volksmund „Vringspooz“ und ist heute ein städtischer Trauort. Sie gehört zu den vier erhaltenen Toren der mittelalterlichen Stadtmauer.

Der Chlodwigplatz in der Kölner Südstadt mit der Severinstorburg im Hintergrund.
Der Chlodwigplatz mit der Severinstorburg, der „Vringspooz“. Foto: Raimond Spekking, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons

Die Südstadt gilt als Zentrum des Karnevals: Viele große Karnevalsgesellschaften haben hier ihren Sitz, und der Rosenmontagszug beginnt traditionell am Chlodwigplatz und zieht durch das Severinstor. Wie Session und Bräuche ablaufen, erklärt der Guide zum Kölner Karneval.

Stollwerck und Archiveinsturz

Bis 1975 produzierte im Severinsviertel die Schokoladen- und Automatenfabrik Stollwerck, dann zog sie nach Westhoven. Ab dem 20. Mai 1980 besetzten bis zu 600 Menschen die leerstehenden Gebäude unter dem Motto „Macht Stollwerck zum Bollwerk“ – laut Wikipedia die größte Hausbesetzung der Kölner Geschichte. Ab 1987 wurde der Großteil abgerissen; erhalten blieben unter anderem der Annosaal und das frühere Proviantamt, heute das Bürgerhaus Stollwerck.

Am 3. März 2009 stürzte an der Severinstraße das Gebäude des Historischen Stadtarchivs ein, zusammen mit zwei Nachbarhäusern. Ursache war eine Erdbewegung im Zusammenhang mit dem Bau der Nord-Süd-Stadtbahn; zwei Menschen starben.

Rheinauhafen und Kranhäuser

Der Rheinauhafen auf der ehemaligen Rheininsel „Werthchen“ wurde 1892–1898 gebaut und am 14. Mai 1898 eingeweiht. 2001 endete der Güterumschlag, danach wurde das rund 850 Meter lange Hafenbecken zu einem Wohn-, Büro- und Kulturquartier umgebaut; die Promenade war 2009 fertig.

Die Kranhäuser im Kölner Rheinauhafen spiegeln sich in der Abenddämmerung im Rhein.
Die drei Kranhäuser im Rheinauhafen in der Abenddämmerung. Foto: Superbass, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons

Markenzeichen sind die drei Kranhäuser am Zollhafen. Sie nehmen die Form von Hafenkränen auf, deren Ausleger zum Rhein zeigen, und sind rund 62 Meter hoch. Entworfen haben sie Alfons Linster und das Hamburger Büro Bothe Richter Teherani. Kranhaus Süd und das mittlere Kranhaus 1 sind Bürohäuser, Kranhaus Nord mit 18 Geschossen ist ein Wohnhaus mit 133 Eigentumswohnungen; bezugsfertig wurden sie zwischen 2008 und 2010.

Daneben lohnen das Siebengebirge, ein 177 Meter langes Lagerhaus von 1909/10, das zu den frühen Stahlbetonskelettbauten Deutschlands zählt, und die denkmalgeschützte Zollhalle 10, in der seit 1999 das Deutsche Sport & Olympia Museum sitzt. Ebenfalls im Rheinauhafen steht das 1993 eröffnete Schokoladenmuseum, das das frühere Preußische Zollamt von 1898 einbezieht.

Was du dir ansehen kannst

  • Severinstorburg und Chlodwigplatz; donnerstags gibt es hier einen Wochenmarkt.
  • St. Severin und die Severinstraße.
  • Teutoburger Straße mit fast geschlossenen Gründerzeitfassaden und Baumallee.
  • Römerpark und Volksgarten.
  • Rheinauhafen mit Kranhäusern, Siebengebirge und Hafenamt von 1898.

Anfahrt

Am Chlodwigplatz halten die Linien 15, 16 und 17, an der Severinstraße die Linien 3, 4 und 17. Den Rheinauhafen erreichst du auch zu Fuß am Rhein entlang aus der Altstadt mit Alter Markt, Heumarkt und Fischmarkt.

Nippes

Lage und Bezirk

Nippes liegt linksrheinisch nördlich der Innenstadt und ist Stadtteil im gleichnamigen Stadtbezirk 5. Es grenzt im Süden an Neustadt-Nord, im Osten an Riehl. Auf 3,0 km² lebten Ende 2024 rund 37.100 Menschen. Zum Stadtbezirk gehören seit der Neugliederung 1975 sieben Stadtteile, darunter Riehl und Niehl.

Geschichte: Fabriken vor der Festung

Der Name taucht 1549 in einem Pachtvertrag auf; seine Herkunft ist ungeklärt. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war die Gegend ländlich. Weil die Festungsvorschriften (Rayonbestimmungen) Fabriken in der Innenstadt verhinderten, siedelte sich Industrie vor den Toren an. Die Stadt Köln nennt unter anderem eine Gussstahlproduktion nahe dem heutigen Wilhelmplatz ab 1839, das Eisenbahnausbesserungswerk der Rheinischen Eisenbahngesellschaft ab 1860 und die Gummiwarenfabrik von Franz Clouth ab 1869. Am 1. April 1888 kam Nippes zu Köln. In der Nacht vom 8. auf den 9. Juli 1943 wurde der Stadtteil schwer getroffen.

Nippes heute

Das Zentrum ist der Wilhelmplatz mit seinem Wochenmarkt, den es seit etwa 1900 gibt. Laut städtischer Marktübersicht findet er montags bis samstags statt – ein Unterschied zu den meisten Kölner Märkten, die nur an ein oder zwei Tagen stattfinden. Die Neusser Straße ist die Einkaufsstraße des Viertels. Auf dem früheren Clouth-Gelände, das die Stadt 2003 kaufte, entsteht seit 2013 das Clouth-Quartier mit mehr als 1.000 geplanten Wohnungen; die denkmalgeschützten Industriebauten werden einbezogen. Die Stadt beschreibt den Bezirk als lebendig und urban, mit Bewohnern aus vielen Nationen.

Der weite Wilhelmplatz in Köln-Nippes mit Wohnhäusern und Bäumen im Hintergrund.
Der Wilhelmplatz in Nippes, auf dem der Wochenmarkt stattfindet. Foto: Raimond Spekking, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons

Was du dir ansehen kannst

  • Wilhelmplatz und Wochenmarkt (aktuelle Marktzeiten auf stadt-koeln.de).
  • Clouth-Quartier mit umgenutzten Fabrikhallen.
  • Nippeser Tälchen, eine Grünanlage auf einem alten Rheinarm.
  • Im Bezirk außerdem: Flora und Botanischer Garten, Zoo, Nordpark und Rheinseilbahn.

Anfahrt

Die Linien 12 und 15 fahren über die Neusser Straße mit den Haltestellen Lohsestraße und Florastraße. Der S-Bahnhof Köln-Nippes wird von der S 6 und S 11 angefahren.

Deutz

Lage und Bezirk

Deutz ist der rechtsrheinische Teil des Stadtbezirks Innenstadt und mit 5,24 km² der größte seiner fünf Stadtteile. Von hier blickst du über den Rhein direkt auf Altstadt und Kölner Dom. Am 1. April 1888 wurde Deutz nach Köln eingemeindet.

Geschichte: vom Kastell Divitia zur Messe

Deutz ist römischen Ursprungs. Unter Kaiser Konstantin entstanden das Kastell Divitia und eine feste Brücke über den Rhein, die erste bei Köln. Laut KuLaDig des Landschaftsverbands Rheinland begann der Bau um 307/308 und war um 312/315 weitgehend abgeschlossen; die Brücke stand auf geschätzt 19 Steinpfeilern und war rund 400 Meter lang. Sie sicherte den schnellen Zugang der Truppen zum rechten Ufer. Aus dem Kastell wurde 1003 die Benediktinerabtei Deutz; 1230 erhielt Deutz Stadtrechte.

Die moderne Rheinquerung begann mit einer Schiffbrücke (1822–1915), die 1915 durch die Deutzer Brücke ersetzt wurde. Der Bahnhof Köln Messe/Deutz besteht seit 1913. 1922 entstanden die ersten Rheinhallen der Messe; 2005 verließ die Koelnmesse diese Hallen, in denen heute RTL sein Sendezentrum hat.

Rheinboulevard, KölnTriangle und Messe

Der Rheinboulevard ist eine breite Treppenanlage am Deutzer Ufer mit Blick auf Dom und Altstadt. Der untere Teil mit der Freitreppe wurde am 13. Juli 2015 eröffnet, der mittlere Abschnitt mit Ufertreppe, Panoramaweg und Boulevard war laut Stadt Köln bis 2017 fertig. Eine rund 350 Meter lange Verlängerung nach Norden Richtung Tanzbrunnen ist geplant; den aktuellen Stand prüfst du auf stadt-koeln.de.

Die Freitreppe des Rheinboulevards in Köln-Deutz am Rhein mit Blick auf die Hohenzollernbrücke.
Die Freitreppe des Rheinboulevards in Deutz mit Blick auf die Hohenzollernbrücke. Foto: Raimond Spekking, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons

Gleich daneben steht das KölnTriangle, wegen seiner Nähe zum Landschaftsverband Rheinland während des Baus auch „LVR-Turm“ genannt. Das 2006 eröffnete Bürohochhaus ist 103,20 Meter hoch und hat eine öffentliche Aussichtsplattform; aktuelle Öffnungszeiten und Eintritt stehen beim Betreiber. Weiter nördlich liegen die Koelnmesse, die Lanxess Arena (bis 2008 Kölnarena) und der Rheinpark mit Tanzbrunnen und Rheinseilbahn.

Was du dir ansehen kannst

  • Rheinboulevard mit Blick auf die Altstadtsilhouette.
  • KölnTriangle mit Aussichtsplattform.
  • Rheinpark und Tanzbrunnen.
  • Deutzer Freiheit mit Wochenmarkt am Freitag.
  • Deutzer Hafen, 1907 eröffnet.

Anfahrt

Unterirdisch halten an Deutz/Messe die Linien 1 und 9, oberirdisch die Linien 3 und 4. Eine weitere Haltestelle ist Deutzer Freiheit. Der Bahnhof Köln Messe/Deutz wird von vielen Fern- und Regionalzügen angefahren, die auch den Hauptbahnhof bedienen. Zu Fuß kommst du aus der Altstadt über die Hohenzollernbrücke oder die Deutzer Brücke hinüber.

Weitere Veedel: Agnesviertel und Eigelstein

Agnesviertel

Das Agnesviertel ist der nördlichste Teil von Neustadt-Nord, begrenzt von Innerer Kanalstraße, Riehler Straße, Theodor-Heuss-Ring/Hansaring und einer Bahntrasse an der Krefelder Straße. Benannt ist es nach der neugotischen Pfarrkirche St. Agnes am Neusser Platz, die um 1900 entstand und als zweitgrößte Kirche Kölns gilt. Ihr Stifter Peter Joseph Roeckerath widmete sie im Gedenken an seine Frau Agnes. Hauptstraße ist die Neusser Straße, die vom Ebertplatz nach Norden führt. Die älteren Straßen sind geschlossen bebaut und überwiegend Wohnstraßen; KölnTourismus erwähnt eine alternative Galerieszene. Anfahrt: Ebertplatz (12, 15, 16, 18) oder Reichenspergerplatz (16, 18).

Eigelstein

Der Eigelstein ist eine rund 570 Meter lange Straße in Altstadt-Nord und Achse des gleichnamigen Viertels. Er führt von der Turiner Straße durch die Eigelsteintorburg zum Ebertplatz und war in römischer Zeit Teil der Heerstraße nach Neuss. Der Name geht auf römische Grabaufsätze in Form von Pinienzapfen zurück, die die Kölner für Eicheln hielten („Eychelsteyne“). Die Eigelsteintorburg entstand zwischen 1228 und 1260 als Teil der Stadtmauer; seit 1990 nutzt sie die Offene Jazz Haus Schule. Die abzweigende Weidengasse wird wegen ihrer überwiegend türkischstämmigen Geschäftswelt „Klein-Istanbul“ genannt. Nächste Haltestelle ist der Ebertplatz.

So kombinierst du die Veedel

Für einen ersten Eindruck eignen sich Veedel, die nah beieinander liegen: Belgisches Viertel und Ehrenfeld sind über die Venloer Straße verbunden, Eigelstein und Agnesviertel treffen sich am Ebertplatz. Die Südstadt lässt sich mit dem Rheinauhafen und der Altstadt zu einem Spaziergang am Rhein verbinden, Deutz mit Dom und Hohenzollernbrücke. Wie sich das in einen Zwei-Tage-Plan einfügt, zeigt der Guide Köln am Wochenende. Wer in den Veedeln einkehrt, trifft fast überall auf Kölsch – was es mit Stange und Köbes auf sich hat, steht im Guide zur Kölsch- und Brauhauskultur.

Häufige Fragen

Wie viele Veedel hat Köln?

Eine feste Zahl gibt es nicht, weil Veedel keine Verwaltungseinheiten sind. Offiziell hat Köln 86 Stadtteile in 9 Stadtbezirken; die städtische Statistik unterteilt diese zusätzlich in 374 Stadtviertel. Im Alltag werden viele Teile dieser Gebiete mit eigenen Veedelsnamen bezeichnet.

Ist das Belgische Viertel ein eigener Stadtteil?

Nein. Das Belgische Viertel liegt im Stadtteil Neustadt-Nord im Stadtbezirk Innenstadt. Dasselbe gilt für das Agnesviertel; die Südstadt verteilt sich auf Neustadt-Süd und Altstadt-Süd.

Liegt Deutz in der Kölner Innenstadt?

Ja, verwaltungsmäßig gehört Deutz zum Stadtbezirk Innenstadt, obwohl es auf der rechten Rheinseite liegt. Es ist der flächengrößte der fünf Innenstadt-Stadtteile.

Was bedeutet „Vringsveedel“?

So heißt das Severinsviertel auf Kölsch; benannt ist das Viertel nach der Kirche St. Severin. Auch die Severinstorburg hat einen kölschen Spitznamen: „Vringspooz“.

Quellen

  1. Stadtteilkarten Stadt Köln · abgerufen am 22. Oktober 2026
  2. Stadtbezirk Innenstadt Stadt Köln · abgerufen am 22. Oktober 2026
  3. Das Feld vor dem Ehrentor (Stadtbezirk Ehrenfeld) Stadt Köln · abgerufen am 22. Oktober 2026
  4. Zwischen „altem“ Köln und Chorweiler (Stadtbezirk Nippes) Stadt Köln · abgerufen am 22. Oktober 2026
  5. Wochenmärkte nach Wochentagen Stadt Köln · abgerufen am 22. Oktober 2026
  6. Trauort Severinstorburg Stadt Köln · abgerufen am 22. Oktober 2026
  7. Trauort KölnSKY im KölnTriangle Stadt Köln · abgerufen am 22. Oktober 2026
  8. Weiterführung des Rheinboulevards zwischen Hohenzollernbrücke und Tanzbrunnen Stadt Köln · abgerufen am 22. Oktober 2026
  9. Konstantinbrücke (Römerbrücke) in Köln LVR – KuLaDig · abgerufen am 22. Oktober 2026
  10. Tracing the paths of street and urban art in Cologne KölnTourismus GmbH · abgerufen am 22. Oktober 2026
  11. Veedel Wikipedia · abgerufen am 22. Oktober 2026
  12. Liste der Stadtteile Kölns Wikipedia · abgerufen am 22. Oktober 2026
  13. Köln-Ehrenfeld Wikipedia · abgerufen am 22. Oktober 2026
  14. Heliosturm Wikipedia · abgerufen am 22. Oktober 2026
  15. Belgisches Viertel (Köln) Wikipedia · abgerufen am 22. Oktober 2026
  16. Kölner Südstadt Wikipedia · abgerufen am 22. Oktober 2026
  17. Severinsviertel / Köln-Altstadt-Süd Wikipedia · abgerufen am 22. Oktober 2026
  18. Severinstorburg Wikipedia · abgerufen am 22. Oktober 2026
  19. Rheinauhafen Wikipedia · abgerufen am 22. Oktober 2026
  20. Kranhaus Wikipedia · abgerufen am 22. Oktober 2026
  21. Köln-Nippes Wikipedia · abgerufen am 22. Oktober 2026
  22. Köln-Deutz Wikipedia · abgerufen am 22. Oktober 2026
  23. KölnTriangle Wikipedia · abgerufen am 22. Oktober 2026
  24. Agnesviertel Wikipedia · abgerufen am 22. Oktober 2026
  25. Eigelstein (Köln) Wikipedia · abgerufen am 22. Oktober 2026
  26. Liste der Kölner U-Bahnhöfe Wikipedia · abgerufen am 22. Oktober 2026