Auf einen Blick
- Kölsch ist eine ripuarische Mundart und gehört zum Mittelfränkischen, einem westmitteldeutschen Dialektraum.
- Das Wort Kölsch bezeichnet laut Duden sowohl das Kölner Bier als auch die Kölner Mundart.
- Die Akademie för uns kölsche Sproch wurde 1983 gegründet und gehört zur SK Stiftung Kultur der Sparkasse KölnBonn.
- Typisch ist das j statt g am Wortanfang: Aus „gut“ wird „joot“.
- Das Kölsche Grundgesetz umfasst elf Artikel; wer sie verfasst hat, ist unbekannt.
Die kölsche Sprache ist die Mundart von Köln, sprachwissenschaftlich ein ripuarischer Dialekt im mittelfränkischen Raum. Typisch sind Lautverschiebungen wie das j statt g („joot“ für „gut“) und ein eigener Wortschatz mit Wörtern wie Veedel, Jeck, Pänz oder Bützje. Gepflegt wird sie seit 1983 von der Akademie för uns kölsche Sproch. Bekannt über Köln hinaus ist das Kölsche Grundgesetz, elf Lebensregeln in Mundart, deren Verfasser niemand kennt.
Kölsch: Sprache und Bier
In Köln hat ein Wort zwei Bedeutungen. Der Duden führt „Kölsch“ als in Köln gebrautes, obergäriges Bier und als die in Köln gesprochene Mundart. Beides geht auf das rheinische Adjektiv „kölsch“ zurück, also „kölnisch, aus Köln“, im Spätmittelhochdeutschen „coelsch“. Wer in Köln „Kölsch“ sagt, meint je nach Satz das Glas auf dem Tisch oder die Art zu reden. Alles zum Bier steht im Guide zu Kölsch, Stange und Köbes.
Was für eine Sprache ist Kölsch?
Kölsch gehört zum Ripuarischen, einer Dialektgruppe im Mittelfränkischen, das wiederum Teil des Westmitteldeutschen ist. Innerhalb des Ripuarischen ist Kölsch nach Sprecherzahl die größte Variante. Wie viele Menschen es tatsächlich sprechen, lässt sich nur schätzen: Wikipedia nennt eine Spanne von 250.000 bis 750.000.
Die Akademie för uns kölsche Sproch sieht Kölsch heute als mehr als einen Dialekt: Durch Forschung und Standardisierung sei es zu einer Regionalsprache geworden, „die gelernt, gesprochen und weitergegeben werden kann“. Diese Einordnung ist auch eine Position der Sprachpflege. Für den Alltag heißt sie: Kölsch hat eine eigene Grammatik und eine eigene Schreibung, die sich lernen lassen.
Kölsch ist über Jahrhunderte aus der Stadtgeschichte gewachsen. Wie Köln von der römischen Colonia zur heutigen Stadt wurde, erzählt der Überblick zur Kölner Stadtgeschichte.
Die Akademie för uns kölsche Sproch
Die Akademie för uns kölsche Sproch wurde 1983 gegründet. Träger ist die SK Stiftung Kultur der Sparkasse KölnBonn, Sitz ist Im Mediapark 7. Anlass war nach Darstellung der Stiftung die Sorge, dass Kölsch verloren gehen könnte. Die Akademie beschreibt ihr Ziel so: die kölsche Sprache „lebendig zu halten, zu fördern und ihren Platz im Alltag zu sichern“.
Das Angebot umfasst laut Stiftung (Stand: Oktober 2026):
- Seminare für Anfänger und Fortgeschrittene mit rund 600 Teilnehmenden pro Jahr, dazu ein Kölsch-Examen und als höchste Stufe das Kölsch-Diplom.
- Ein Online-Wörterbuch, über das sich Schreibung und Bedeutung kölscher Wörter nachschlagen lassen.
- Eine Bibliothek mit rund 20.000 Büchern, über 900 Filmen und etwa 3.000 Tonaufnahmen, kostenlos ausleihbar.
- Eine Liedersammlung mit rund 16.000 Texten.
- Angebote für Kitas und Grundschulen sowie die Veranstaltungsreihe „Klaaf em Mediapark“.
Aktuelle Kurstermine stehen auf koelsch-akademie.de.
So klingt Kölsch: Aussprache-Merkmale
Kölsch unterscheidet sich vom Hochdeutschen vor allem in einigen regelmäßigen Lautunterschieden. Wer sie kennt, versteht viele Wörter auf Anhieb.
- j statt g: Ein g am Wortanfang wird zu j. Mit Vergnügen bringt es auf die Formel „G jit et nit“. Aus „gut“ wird „joot“, aus „gegangen“ „jejange“.
- Ch am Wortende: Nach dunklen Vokalen wird ein g am Ende zu einem ch-Laut: „Zug“ heißt „Zog“.
- v und f statt b: Zwischen Vokalen und am Wortende wird aus b ein v oder f: „geben“ heißt „gevve“, „ab“ heißt „av“.
- p statt pf: Die hochdeutsche Lautverschiebung zu pf hat Kölsch nicht mitgemacht. Aus „Pferd“ wird „Pääd“.
- d statt t: „Tisch“ heißt „Desch“, „tun“ heißt „don“.
- r fällt weg: Vor bestimmten Konsonanten verschwindet das r, der Vokal wird lang: „Garten“ heißt „Gaade“.
- Eigene Vokale und Endungen: „Wein“ heißt „Wing“, „Zeit“ heißt „Zigg“, „Leute“ heißt „Lück“, „Suppe“ heißt „Zupp“.
Kölsche Wörter: 30 Begriffe mit Übersetzung
Die folgenden Wörter begegnen dir im Alltag, im Brauhaus und im Karneval. Schreibweisen variieren, weil Kölsch lange vor allem gesprochen wurde.
| Kölsch | Hochdeutsch |
|---|---|
| Veedel | Viertel, Stadtteil, in dem man wohnt |
| Jeck | Narr, Verrückter; im Karneval jeder, der mitfeiert |
| Pänz | Kinder |
| Bützje | Küsschen, meist auf die Wange |
| Fastelovend | Karneval |
| Alaaf | Karnevalsruf, von „all af“ |
| Kamelle | Süßigkeiten, die beim Zoch geworfen werden |
| Strüßjer | kleine Blumensträuße, ebenfalls Wurfmaterial |
| Zoch | Umzug, Karnevalszug |
| Quetschebüggel | Akkordeon |
| Imi | jemand, der nicht aus Köln stammt |
| op Jück sin | unterwegs sein |
| Tschö | Tschüss |
| uselich | ungemütlich, schlecht (Wetter, Befinden) |
| Ahl | Alte, Alter |
| Klaaf | Unterhaltung, Gerede (klaafe: reden) |
| Köbes | Kellner im Brauhaus |
| Kölsch | Kölner Bier und Kölner Mundart |
| Flönz | Blutwurst |
| Mostert | Senf |
| Ääpel | Kartoffeln |
| Öllisch | Zwiebel |
| Kappes | Kohl |
| Botz | Hose |
| Fott | Hintern |
| Desch | Tisch |
| Wing | Wein |
| Zigg | Zeit |
| Lück | Leute |
| Krom | Kram |
Viele dieser Wörter sind eng mit der Session verbunden. Wie Zoch, Kamelle und Alaaf im Ablauf zusammenhängen, erklärt der Guide zum Kölner Karneval. Und wie das eigene Veedel das Selbstverständnis der Kölner prägt, zeigt der Überblick über die Kölner Veedel von Ehrenfeld bis Deutz.
Das Kölsche Grundgesetz
Das Kölsche Grundgesetz ist eine Sammlung von elf Lebensregeln in Mundart. Es ist kein amtlicher Text, sondern ein Volksgut: Wer die Artikel verfasst hat und wann, ist nicht bekannt. Verbreitet hat die Sammlung vor allem der Kabarettist Konrad Beikircher, der sie 2001 in seinem Buch „Et kütt wie et kütt – Das Rheinische Grundgesetz“ veröffentlichte. Darstellungen verweisen außerdem auf einen Brief von Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim aus dem Jahr 1533, der einen „Kölnischen Ratschlag“ erwähnt. Ob damit dieselben Sprüche gemeint waren, ist offen.
Die Schreibweise der Artikel unterscheidet sich je nach Quelle. Die Tabelle folgt der Fassung bei Wikipedia, Abweichungen stehen darunter.
| Artikel | Kölsch | Hochdeutsch |
|---|---|---|
| 1 | Et es wie et es. | Es ist, wie es ist. |
| 2 | Et kütt wie et kütt. | Es kommt, wie es kommt. |
| 3 | Et hätt noch emmer joot jejange. | Es ist bisher noch immer gut gegangen. |
| 4 | Wat fott es, es fott. | Was fort ist, ist fort. |
| 5 | Et bliev nix wie et wor. | Es bleibt nichts, wie es war. |
| 6 | Kenne mer nit, bruche mer nit, fott domet. | Kennen wir nicht, brauchen wir nicht, fort damit. |
| 7 | Wat wellste maache? | Was willst du machen? |
| 8 | Maach et joot, ävver nit zo off. | Mach es gut, aber nicht zu oft. |
| 9 | Wat soll dä Quatsch? | Was soll der Quatsch? |
| 10 | Drinks de ejne met? | Trinkst du einen mit? |
| 11 | Do laachs de disch kapott. | Da lachst du dich kaputt. |
Andere Fassungen schreiben etwa „Et hätt noch immer joot jejange“, „Maach et joot, ävver nit esu off“, „Drinkste eine met?“ oder „Do laachs do dich kapott“. Am Inhalt ändert das nichts.
Gelesen werden die Artikel meist als Haltung: hinnehmen, was sich nicht ändern lässt (1, 2, 4), Zuversicht (3), Gelassenheit (7) und Gastfreundschaft (10). Ein Kölner Brauhausabend ohne Artikel 10 ist kaum vorstellbar. Manche Sammlungen ergänzen weitere Sprüche, etwa „Jede Jeck es anders“ („Jeder Narr ist anders“), „Mät nix“ („Macht nichts“) oder „Bliev wie de bes“ („Bleib, wie du bist“).
Kölsche Sprüche aus dem Alltag
Neben dem Grundgesetz kursieren viele Redensarten. Einige, die Mit Vergnügen sammelt:
- „Stell dich nit esu an.“ Wird schon nicht so schlimm sein.
- „Küss de hück nit, küss de morje.“ Kommst du heute nicht, kommst du morgen.
- „Ovends danze un springe, morjends de Botz nit finge.“ Abends tanzen und springen, morgens die Hose nicht finden.
- „Leever ene Buch vum Suffe als ene Puckel vum Arbeide.“ Lieber einen Bauch vom Trinken als einen Buckel vom Arbeiten.
Kölsch in Liedern: Bläck Fööss, BAP, Höhner
Dass Kölsch heute wieder selbstbewusst gesprochen wird, hat viel mit Musik zu tun. Wikipedia schreibt den Bläck Fööss und BAP zu, dem Ruf der Mundart seit den 1970er-Jahren wieder aufgeholfen zu haben.
- Bläck Fööss: Die Band gründete sich 1970, der Name heißt „nackte Füße“. Ihre erste Single, der „Rievkooche-Walzer“, erschien am 22. Oktober 1970. „Drink doch eine met“ (aufgenommen 1971) wurde 1972 populär, „Mer losse d'r Dom en Kölle“ und „En unserem Veedel“ folgten 1973. Ihre Texte erzählen von Einsamkeit in der Stadt, sozialer Ungleichheit und kölscher Identität.
- BAP: Die Band um Sänger und Gründer Wolfgang Niedecken gilt als bundesweiter Wegbereiter für kölsche Musik. Ihr Lied „Verdamp lang her“ zeigte, dass Kölsch nicht automatisch etwas mit Karneval zu tun haben muss.
- Höhner: 1972 als „Ne Höhnerhoff“ gegründet, seit 1975 „De Höhner“. Mit „Viva Colonia“ gelang ihnen 2003 ein bundesweiter Erfolg.
Auch ältere Karnevalslieder haben Orte in den Sprachschatz gebracht. Die rund 100 Meter lange Kaygasse in der Altstadt-Süd ist laut LVR durch das Lied „Kayjass Nummer Null“ eine der bekanntesten Kölner Straßen geworden. Besungen wird darin die Schule des legendären Lehrers Welsch, die dort gestanden haben soll.
Häufige Fragen
Ist Kölsch ein Dialekt oder eine Sprache?
Sprachwissenschaftlich ist Kölsch eine ripuarische Mundart. Die Akademie för uns kölsche Sproch spricht von einer Regionalsprache, weil Kölsch inzwischen eine standardisierte Schreibung hat und sich systematisch lernen lässt.
Wo kann man Kölsch lernen?
Die Akademie för uns kölsche Sproch bietet zweimal im Jahr Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene an, dazu ein Online-Wörterbuch und eine Bibliothek. Termine und Anmeldung stehen auf koelsch-akademie.de.
Wer hat das Kölsche Grundgesetz geschrieben?
Das ist nicht bekannt. Die elf Artikel sind überlieferte Lebensweisheiten. Bekannt gemacht hat die Sammlung vor allem Konrad Beikircher mit einem Buch von 2001.
Was bedeutet „Et kütt wie et kütt“?
„Es kommt, wie es kommt.“ Der zweite Artikel des Kölschen Grundgesetzes steht für Gelassenheit gegenüber dem, was man nicht beeinflussen kann.
Quellen
- Akademie för uns kölsche Sproch
- Akademie för uns kölsche Sproch
- Kölsch, das
- Kaygasse im Griechenmarktviertel
- Köbes-Figur am Peters Brauhaus in der Kölner Altstadt
- Kölsche Sprache
- Kölsches Grundgesetz
- Et kütt, wie et kütt! Warum Köln ein eigenes „Grundgesetz“ hat
- 21 kölsche Worte und Redensarten, die ihr kennen solltet
- Das große Karnevals-ABC von A wie Alaaf bis Z wie Zoch
- Bläck Fööss
- Höhner
- Mehr als Brings und Höhner: 10 Bands aus Köln, die man kennen muss