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Kultur & Geschichte

Kölner Karneval: wie die Session funktioniert

Vom 11.11. bis Aschermittwoch: wer den Kölner Karneval organisiert, was an welchem Tag passiert und was Wörter wie Kamelle, Strüßjer und Bützje bedeuten.

Dicht gedrängte Fußgruppe in bunten Kostümen beim Kölner Rosenmontagszug, von oben gesehen.
Foto: Geolina163, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • Die Session beginnt am 11.11. um 11:11 Uhr und endet am Aschermittwoch; dazwischen liegen Sitzungen und der Straßenkarneval.
  • Der organisierte Kölner Karneval geht auf 1823 zurück, als am 10. Februar der erste Rosenmontagszug durch die Stadt zog.
  • Das Dreigestirn aus Prinz, Bauer und Jungfrau wählt der Vorstand des Festkomitees aus; die Jungfrau spielt traditionell ein Mann.
  • Der Straßenkarneval beginnt an Weiberfastnacht, 2027 am 4. Februar; Rosenmontag ist 2027 der 8. Februar.
  • Am Rosenmontag werden nach Angaben von KölnTourismus rund 300 Tonnen Süßigkeiten und etwa 300.000 Strüßjer geworfen.

Der Kölner Karneval ist eine Session, kein einzelnes Fest: Sie beginnt am 11.11. um 11:11 Uhr und endet am Aschermittwoch. In den Wochen dazwischen laufen vor allem Sitzungen in Sälen, der Straßenkarneval mit Kostümen und Umzügen konzentriert sich auf die sechs Tage von Weiberfastnacht bis Veilchendienstag. Höhepunkt ist der Rosenmontagszug, 2027 am 8. Februar. Organisiert wird das offizielle Programm vom Festkomitee Kölner Karneval, dem Zusammenschluss der Karnevalsgesellschaften.

Ursprung und die Reform von 1823

Gefeiert wurde in Köln schon lange vor dem 19. Jahrhundert. Unter preußischer Herrschaft war der Straßenkarneval aber laut Stadt Köln fast eingeschlafen, nur bürgerliche Maskenbälle gab es weiter. Nach einem Treffen engagierter Kölner im Jahr 1822 wurde 1823 die Grosse Karnevalsgesellschaft gegründet, erster Präsident war Heinrich von Wittgenstein.

Am 10. Februar 1823 zog der erste Rosenmontagszug durch die Stadt, Motto: „Thronbesteigung des Helden Carneval“. Der Held Carneval ist der Vorläufer des heutigen Prinzen. Ab dem folgenden Jahr wählten die Mitglieder jährlich ein „Festordnendes Comitée“, das die Feiern organisierte. Daraus ist das heutige Festkomitee Kölner Karneval e. V. hervorgegangen.

Diese Reform machte aus einem ungeordneten Straßentreiben einen organisierten Ablauf mit festem Zug, Gesellschaften und Figuren. Wie sie in die Stadtgeschichte zwischen Preußenzeit und Industrialisierung passt, zeigt der Überblick zur Kölner Geschichte.

Auch die NS-Zeit gehört zur Geschichte des Karnevals. 1935 wehrten sich die Gesellschaften dagegen, in die NS-Organisation „Kraft durch Freude“ eingegliedert zu werden – eine Distanz, die laut Wikipedia nur die Organisation betraf, nicht den NS-Staat insgesamt. 1938 und 1939 spielten auf Anordnung der NSDAP Frauen die Jungfrau im Dreigestirn.

Das Festkomitee Kölner Karneval

Das Festkomitee koordiniert das offizielle Sessionsprogramm, richtet den Rosenmontagszug aus und wählt das Dreigestirn. Auf koelnerkarneval.de veröffentlicht es den Sessionskalender, das Motto, den Zugweg und die Verkehrshinweise. Für Besucherinnen und Besucher ist das die verlässlichste Adresse für Termine.

Der Ablauf der Session

11.11.: Sessionseröffnung

Am 11. November um 11:11 Uhr beginnt die neue Session. Bei der Eröffnung tritt das designierte Dreigestirn auf, dazu kommen bekannte Kölner Bands.

Saal- und Sitzungskarneval

Zwischen Sessionseröffnung und Straßenkarneval überbrücken die Sitzungen der Gesellschaften die Zeit: Programme in Sälen, durch die ein Sitzungspräsident führt. Welche Gesellschaft wann einlädt, steht im Sessionskalender des Festkomitees.

Straßenkarneval

Mit Weiberfastnacht wechselt der Karneval auf die Straße. Bis Dienstagnacht ziehen Jecken kostümiert durch die Innenstadt und die Veedel. Ein Teil der Feiern findet in den Stadtteilen statt, wo eigene Züge laufen. Mehr zu den einzelnen Vierteln findest du im Guide zu den Kölner Veedeln.

Das Dreigestirn: Prinz, Bauer und Jungfrau

Das Kölner Dreigestirn, auch Trifolium genannt, ist das Repräsentantentrio der Session. Ausgewählt wird es jedes Jahr vom Vorstand des Festkomitees. Kurz nach Silvester proklamiert es die Oberbürgermeisterin bzw. der Oberbürgermeister.

  • Prinz: Er wurde als „Jeckenherrscher“ erfunden. Aus dem Helden Carneval von 1823 wurde nach der Reichsgründung 1871 ein Prinz. Bei der Proklamation erhält er die Pritsche.
  • Bauer: Er gilt als Beschützer und Hüter der Stadt. Sein Dreschflegel steht für Wehrhaftigkeit, die Stadtschlüssel für seine Rolle als Wächter.
  • Jungfrau: Ihr Gewand mit römischem Schmuck erinnert an die Stadtgründerin Agrippina, die Krone steht für die alte Stadtmauer. Ihre „Jungfräulichkeit“ verweist darauf, dass die Mauer nie im Kampf erobert wurde. Seit 1993 bekommt sie einen Spiegel.

Die Jungfrau wird traditionell von einem Mann gespielt. Der Grund liegt in der Geschichte: Der Kölner Karneval war lange eine reine Männergesellschaft. Die einzigen offiziellen Ausnahmen waren 1938 und 1939. Als Einheit gibt es das Trio seit etwa 1870, offiziell „Dreigestirn“ heißt es seit 1938.

Die tollen Tage im Überblick

TagWas passiert2027
Weiberfastnacht (Donnerstag)Start des Straßenkarnevals um 11:11 Uhr4. Februar
Karnevalsfreitag und -samstagFeiern in Kneipen und Veedeln, samstags Funkenbiwak5./6. Februar
KarnevalssonntagSchull- un Veedelszöch7. Februar
RosenmontagRosenmontagszug durch die Innenstadt8. Februar
VeilchendienstagVeedelszöch, Nubbelverbrennung um Mitternacht9. Februar
AschermittwochEnde der Session, Fischessen10. Februar

Die Termine ergeben sich aus dem Osterdatum: Rosenmontag liegt immer 48 Tage vor Ostersonntag. Die Daten für 2027 nennt koeln.de, KölnTourismus bestätigt Weiberfastnacht am 4. Februar (Stand: Oktober 2026). Uhrzeiten, Zugwege und Veranstaltungen veröffentlicht das Festkomitee im Sessionskalender auf koelnerkarneval.de.

Weiberfastnacht

Auf Kölsch heißt der Donnerstag vor Aschermittwoch Wieverfastelovend, am Niederrhein Altweiber. Um 11:11 Uhr wird am Alter Markt der Straßenkarneval eröffnet. Bekanntester Brauch: Frauen schneiden Männern die Krawatte ab, ein Symbol männlicher Macht, das sich seit der Mitte des 20. Jahrhunderts eingebürgert hat. Als Entschädigung gibt es ein Bützchen. Wer am Alter Markt dabei sein will, findet Orientierung im Guide zur Kölner Altstadt.

Karnevalsfreitag und -samstag

Für diese beiden Tage gibt es keinen zentralen Programmpunkt, gefeiert wird in Kneipen, Sälen und auf den Straßen. Am Samstag veranstalten die Roten Funken ihr Biwak auf dem Neumarkt.

Karnevalssonntag: Schull- un Veedelszöch

Am Sonntag ab 11:11 Uhr ziehen die Schull- un Veedelszöch durch die Innenstadt. Nach Angaben des Festkomitees laufen über 8.000 aktive Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit, neben Schulen und Veedelsvereinen auch Stammtische, Sportvereine und große Familien. Mehr als 250.000 Menschen schauen zu. Typisch sind selbst gebaute Kostüme und oft kritische Themen. Eine Jury wählt die besten Gruppen aus, sie dürfen am nächsten Tag im Rosenmontagszug mitgehen. Der Zugweg ist fast identisch mit dem am Rosenmontag.

Rosenmontag

Der Rosenmontagszug ist der größte Termin der Session. KölnTourismus nennt eine Zuglänge von meist über acht Kilometern, regelmäßig kommen mehr als eine Million Menschen an die Strecke. 2026 setzte sich die Spitze um 10:00 Uhr an der Severinstraße in Bewegung, der Zugweg führte durch die Innenstadt bis zur Gregorius-Maurus-Straße. Der Weg ändert sich von Zeit zu Zeit; den aktuellen Plan veröffentlicht das Festkomitee unter Zugweg.

Von den Wagen fliegen Kamelle und Strüßjer: Laut KölnTourismus rund 300 Tonnen Süßigkeiten und etwa 300.000 Sträußchen.

Veilchendienstag und Nubbelverbrennung

Am Dienstag ziehen in mehreren Stadtteilen eigene Veedelszöch, die größten in Mülheim, Nippes und Ehrenfeld. In der Nacht auf Aschermittwoch wird der Nubbel verbrannt: eine lebensgroße Strohpuppe, die seit Weiberfastnacht über vielen Kneipen hängt. In einer gespielten Anklage zählt ein verkleideter „Pfarrer“ die Sünden der Session auf, die Menge antwortet „Dat wor der Nubbel“. Mit der Puppe verbrennen symbolisch alle Verfehlungen der tollen Tage. KölnTourismus nennt als typische Orte unter anderem das Umfeld der Agneskirche, Nippes, die Südstadt, das Kwartier Latäng und die Altstadt.

Aschermittwoch

„Am Aschermittwoch ist alles vorbei“: Mit dem Tag endet die Session, die Fastenzeit beginnt. Katholiken erhalten in der Kirche das Aschenkreuz. Viele Gesellschaften treffen sich an diesem Tag oder am Wochenende danach zum Fischessen.

Begriffe aus dem Kölner Karneval

Viele Wörter im Karneval sind Kölsch. Eine ausführlichere Einführung in die Mundart findest du im Guide zur kölschen Sprache.

BegriffBedeutung
AlaafHochruf auf Köln, meist als „Kölle Alaaf“. Die Herkunft ist nicht eindeutig geklärt; genannt werden ein alter Trinkspruch und Formen wie „all af“ im Sinne von „über alles“.
JeckRheinisch für Narr, vor allem für Menschen, die Karneval feiern. Bekannt ist der Satz „Jede Jeck ist anders“ als Bitte um Toleranz.
KamelleSüßigkeiten, ursprünglich Karamellbonbons, die bei Umzügen von den Wagen geworfen werden.
StrüßjerKleine Blumensträuße, die bei Zügen geworfen oder verteilt werden, oft gegen ein Bützje.
BützjeEin Küsschen mit gespitzten Lippen auf die Wange – nur, wenn beide es wollen.
NubbelStrohpuppe, die als Sündenbock der Session in der Nacht zum Aschermittwoch verbrannt wird.
Funken (Rote Funken)Karnevalskorps nach dem Vorbild der reichsstädtischen Stadtsoldaten. Die Roten Funken (Kölsche Funke rut-wieß vun 1823) parodierten damit den preußischen Militärdrill.
PappnasKölsch für Pappnase, die aufgesetzte Narrennase; im übertragenen Sinn auch ein verkleideter Karnevalist.

Zum Feiern gehört in Köln auch das Bier: Wie Stange, Köbes und Brauhaus zusammenhängen, steht im Guide zum Kölsch.

Praktische Hinweise für Besucher

Die Stadt Köln regelt den Straßenkarneval jedes Jahr per Allgemeinverfügung und Pressemitteilung neu. Für die Session 2025/26 galt nach Angaben der Stadt (Mitteilung vom 2. Februar 2026):

  • Glasverbot zu festgelegten Zeiten im Kwartier Latäng rund um die Zülpicher Straße, im Inneren Grüngürtel zwischen Luxemburger und Aachener Straße und in der Altstadt. In der Südstadt galt kein Verbot, die Stadt bat um freiwilligen Glasverzicht.
  • Zugänge zum Zülpicher Viertel waren eingezäunt und nur an wenigen Stellen geöffnet, Musikboxen und sperrige Gegenstände wie Handwagen waren dort nicht erlaubt.
  • Jugendschutz: Unter 16 Jahren kein Alkohol, ab 16 Bier, Wein und Sekt, aber keine Spirituosen.
  • Drohnen waren an Weiberfastnacht und Rosenmontag in der Innenstadt und im Zülpicher Viertel verboten.
  • Notruf 110; an den Hotspots standen rund 1.000 mobile Toiletten und Urinale.

Die Regeln für die Session 2026/27 veröffentlicht die Stadt erst kurz vor Weiberfastnacht. Prüfe Zonen, Zeiten und Sperrungen deshalb vor dem Besuch auf stadt-koeln.de und Verkehrshinweise zum Zug auf koelnerkarneval.de.

Häufige Fragen

Wann ist Rosenmontag 2027 in Köln?

Rosenmontag fällt 2027 auf den 8. Februar, Weiberfastnacht auf den 4. Februar und Aschermittwoch auf den 10. Februar. Der Termin hängt am Osterdatum: Rosenmontag liegt immer 48 Tage vor Ostersonntag.

Warum beginnt der Karneval am 11.11.?

Der 11.11. um 11:11 Uhr ist der feste Starttermin der Session, an dem sich das designierte Dreigestirn zum ersten Mal zeigt. Bis zum Straßenkarneval überbrücken Sitzungen die Zeit, der Höhepunkt bleibt der Rosenmontag.

Wer spielt die Jungfrau im Dreigestirn?

Traditionell ein Mann, weil der Kölner Karneval lange eine reine Männergesellschaft war. Nur 1938 und 1939 übernahmen auf Anordnung der NSDAP Frauen die Rolle.

Was ruft man im Kölner Karneval?

„Kölle Alaaf“. Das Festkomitee nennt Alaaf das wichtigste Wort im Kölner Karneval und einen Hochruf auf die Stadt Köln.

Quellen

  1. Die Historie des Kölner Karnevals Stadt Köln · abgerufen am 22. Oktober 2026
  2. Das Kölner Dreigestirn Festkomitee Kölner Karneval · abgerufen am 22. Oktober 2026
  3. Rosenmontagszug – Historie Festkomitee Kölner Karneval · abgerufen am 22. Oktober 2026
  4. Rosenmontagszug – Zugweg Festkomitee Kölner Karneval · abgerufen am 22. Oktober 2026
  5. Schull- un Veedelszöch Festkomitee Kölner Karneval · abgerufen am 22. Oktober 2026
  6. Karneval von A–Z (Glossar) Festkomitee Kölner Karneval · abgerufen am 22. Oktober 2026
  7. Karneval in Köln KölnTourismus · abgerufen am 22. Oktober 2026
  8. Sicher und umweltfreundlich feiern – Stadt Köln trifft letzte Vorbereitungen für den Straßenkarneval (02.02.2026) Stadt Köln · abgerufen am 22. Oktober 2026
  9. Wann ist Karneval 2027, 2028 und in den nächsten Jahren? koeln.de · abgerufen am 22. Oktober 2026
  10. Rosenmontag smart-rechner.de · abgerufen am 22. Oktober 2026
  11. Kölner Karneval Wikipedia · abgerufen am 22. Oktober 2026
  12. Kölner Dreigestirn Wikipedia · abgerufen am 22. Oktober 2026
  13. Weiberfastnacht Wikipedia · abgerufen am 22. Oktober 2026
  14. Nubbel Wikipedia · abgerufen am 22. Oktober 2026
  15. Historie Kölsche Funke rut-wieß vun 1823 e. V. · abgerufen am 22. Oktober 2026
  16. Das Karnevals-ABC Mit Vergnügen Köln · abgerufen am 22. Oktober 2026
  17. Jeck Wikipedia · abgerufen am 22. Oktober 2026
  18. Kamelle Wikipedia · abgerufen am 22. Oktober 2026
  19. Pappnase Duden · abgerufen am 22. Oktober 2026